Hebelzertifikate - der Wettschein für Risikofreudige
Von Eike Schulze (es)Trotz aller Unkenrufe sind Zertifikate grundsätzlich kein schlechtes Investment. Gerade, wer mit relativ wenig Geld am Finanzmarkt reüssieren will, für den lohnt sich auch ein Blick auf diese Anlageklasse. Aufgrund ihrer Struktur sind Zertifikate für Anleger vor allem dann interessant, wenn sich eine Bodenbildung bei den Kursen abzeichnet. Nach wie vor gibt es Unternehmen, die trotz der Finanzkrise gut dastehen. Sie sind in den Abwärtsstrudel der Börse geraten, bieten aber dennoch einen Hoffnungsschimmer am Aktienmarkt. Eine Möglichkeit davon zu profitieren sind Hebelzertifikate. Aber auch für Anleger, die gegenüber bestimmten Werten pessimistisch eingestellt ist, kommen diese Papiere in Frage.
Das Prinzip des Hebelzertifikates
Unterschiedliche Namen sind für diesen Zertifikattyp im Umlauf neben Hebelzertifikat kursieren auch noch Turbozertifikat, Knock-out-Zertifikat oder Mini-Futures. Grundsätzlich beziehen sich Hebelzertifikate auf einen Basiswert, dies kann auch ein Index wie beispielsweise der DAX sein. Die Besonderheit des Turbozertifikates liegt darin, dass der Kauf des Papiers mit einem anhängenden Wertpapierkredit verbunden ist. Beispiel: Das Zertifikat bildet eine Aktie mit einem Wert von 10 Euro ab. Der Anleger bezahlt die Aktie nur zu einem Drittel, partizipiert aber gleichzeitig an der vollen Wertentwicklung. Zwei Drittel des Wertes werden ihm also quasi als Kredit zur Verfügung gestellt. Für diesen Betrag zahlt er Zinsen, beispielsweise vier Prozent p. A. Möchte der Investor das Zertifikat nun ein Jahr halten, muss er folglich für 6,667 Euro Zinsen in Form eines Aufgeldes entrichten, also 0,2666 Euro pro Schein. Bei einem Investment von 1.000 Euro (entspricht 100 Anteilen) in ein solches Hebelzertifikat fällt daher neben dem Grundinvestment von 333,33 Euro noch ein Aufgeld von 26,66 Euro Zinsen für den Kredit an pro Schein ein Betrag von 10,27 Euro. Steigt nun der Basiswert innerhalb eines Jahres beispielsweise von 10 Euro auf 15 Euro, ergibt sich aus der Differenz aus 10,27 Euro und 15 Euro der Gewinn des Anlegers pro Anteil nämlich 4,73 Euro. Sein gesamter Gewinn beläuft sich somit auf 473 Euro bei 100 Anteilen.
Neben der gewinnorientierten Variante, meist Bullzertifikat genannt, gibt es auch das Bearzertifikat, das auf fallenden Kurse setzt und dessen Gewinn sich aus der Differenz zwischen dem Anfangs- und dem Endwert ergibt. Der Wertpapierkreditzins heißt in diesem Fall Abgeld.
Die Knock-out-Grenze
Bei einem Turbozertifikat ist ein Totalverlust des eingesetzten Geldes möglich. Dies passiert bei der Bullzertifikatvariante, wenn der Basiswert unter eine bestimmte Grenze die Knock-out-Grenze fallen würde. Dann ist das Zertifikat (praktisch) wertlos und es verfällt. Beim Bearzertifikat verhält sich dieses genau spiegelverkehrt es wird dann wertlos, wenn der Kurs über die Knock-out-Grenze steigt. Anders sieht es aus mit den Schwankungen innerhalb der Zertifikatdauer. Fallen oder steigen die Kurse nicht über die Knock-out-Grenze, so ist der Schlussstand entscheidend. Einige Varianten der Hebelzertifikate verfügen zusätzlich zur Knock-out-Grenze auch noch über eine Stopp-Loss-Grenze. Bei Unter- oder Überschreiten dieser Grenze wird das Zertifikat ausgezahlt, um auf diese Weise die Verluste des Anlegers zu begrenzen.
Fazit
Grundsätzlich sind Hebelzertifikat eine risikoreiche Anlageform. Entscheidend ist, dass der Anleger hier nur Gelder einsetzen sollten, die er nicht unbedingt benötigt. Zwar können Turbozertifikate auch tolle Gewinne einfahren, ein Unter- oder Überschreiten der Knock-out-Grenze kann jedoch zum Totalverlust des Geldes führen.
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